Das Minoritenkloster
Die Minoriten haben mehrere Jahrhunderte in Ratingen gewirkt. Bereits 1362 besaß der von Franz von Assisi gegründete Orden ein Haus in der Oberstraße. Neben einigen "Minderbrüdern", wie die Franziskaner auch genannt wurden, wohnte dort eine kleine Gruppe von Beginen. Dies waren fromme Frauen, die zusammen lebten und arbeiteten. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts scheinen die Minoriten Ratingen verlassen zu haben. 1651 jedoch erhielt die kölnische Minoritenprovinz die landesherrliche Genehmigung zu einer neuen Niederlassung in der Stadt und erwarb das Grundstück an der Lintorfer Straße (1-5). 1655 legten die Minoriten den Grundstein zu Ihrem Kloster, das sie 1656 bezogen.
Ein paar Jahre später wurde eine Kirche angebaut, von deren Weihe aber erst 1725 berichtet wird. Die Klosterkirche befand sich in dem zur heutigen Minoritenstraße zugewandten Flügel. An dieser Seite führt auch heute ein Durchlaß in den ehemaligen Klosterhof. Von 1678 bis 1691 wurde das Gebäude um zwei Flügel erweiteret, so daß es mit der Kirche jetzt das noch heute vorhandene Quadrat bildete.
1803 wurde das Kloster säkularisiert, beherbergte aber noch viele Jahre als Zentralkloster die Mönche, die nicht ins weltliche Leben zurückkehren wollten. Der letzte Minorit, Pater Paschasius Heim, starb hier 1843. Er hatte bis zu seinem Tod in seiner Zelle die heilige Messe gelesen.
Ab 1834 nahm das Klostergebäude die katholische Schule auf und diente von 1884 bis 1973 als Rathaus der Stadt Ratingen. Heute ist es das Domizil der Volkshochschule und seit 2009 auch des Standesamtes der Stadt Ratingen.
Aus der Ratinger Broschüre "Auf den Spuren der Stadtgeschichte"
Herausgeber: Verein für Heimatkunde und Heimatpflege Ratingen e.V.

Rückseite VHS-Haus "Agenda-Hof", © Kurt Tappeser



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